Der beste Schütze seiner Zeit

„Ich sollte davon. Sollte weg sein. Möglichst weit.
Hier werde ich nicht glücklich.“

Hans Eidig ist der Robin Hood der Lüneburger Heide. Geboren 1804 im Dorf Klecken bei Hamburg war er Wildschütz, Volksheld – und jenseits aller Legenden – ein unfassbar guter Schütze. Schwer zu fassen war er, weil ihn die Bauern versteckten. Besonders jene  Bauern, deren Äcker er gegen das Hochwild der allein zur Jagd berechtigten Adeligen verteidigte. Gendarmerie und Militär blieben Eidig auf den Fersen. Einige Jahre lang gelang es ihn, seinen Häschern jeweils über die Elbe – von Dänemark in die Lüneburger Heide oder umgekehrt – zu entkommen. Doch als er für vogelfrei erklärt wird, willigt ein, sein Revier für immer zu verlassen. Er bricht an Bord der Brigg Ganges nach New York auf.

Eidigs Jagdgebiet. Klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild. (*)

DIE FLUCHT DES GROSSEN JÄGERS schildert die Überfahrt Eidigs auf der Ganges – immer wieder durchbrochen von aufflammenden Erinnerungen an seine Fluchten durch Heide, Wälder und die Elbe. Eine Seefahrt ist etwas vollkommen neues für den Jäger, aber seine Vertrautheit mit der Natur hilft ihm: Wind ist sein Element – gegen den Wind konnte er sich den Wildschweinrotten nähern. Und Tiere gibt es auch hier auf See zu beobachten: Vögel, Fische, Wale. Und natürlich die Menschen! An Bord gibt es Leute, die dafür gedungen wurden, ihn im Atlantik zu ertränken. Die Jagd auf Eidig ist noch lange nicht vorbei ...

Zu seinen Mitreisenden gehören der Altonaer Verleger Grünstern und seine Nichte Silvia. Habakuk Grünstern ist auf dem Weg zu dem weltberühmten Tiermaler Audubon, um ihn als Illustrator für „Die Vögel Europas“ zu gewinnen. Eidig kommt Grünstern gerade recht: Könnte er nicht mit Audubon durch Europa ziehen, um für ihn die Vögel zu schießen, die es zu zeichnen gilt?

Doch Eidig hat eigene Pläne – die sich allerdings nicht sogleich erfüllen. Als er im Sommer 1835 New York erreicht, gerät er zwischen die Kampflinien mafiös organisierter Sklavenschmuggler. Und er sieht New York brennen.

Schließlich zieht es Eidig dahin, wo er den Himmel der freien Jagd wähnt. Zu seinem Sehnsuchtshorizont, gen Westen, in die weiten Jagdgründe der Indianer und zu den Büffelherden. Mit ihm zieht Silvia Grünstern. Und schnell gilt es, das Überleben im noch ziemlich wilden Westen zu sichern ...


Bild ganz oben: Olaf Schneider / pixelio.de