Miniaturhamburger

Die wunderbare Welt der Freakheads

Sie sind kleine Hamburger. Und sind Hafenarbeiter, Polizist, Sprayer, Schallplattenverkäufer, Skaterin und Kreativdirektor. Sie heißen Hildegard und Rigobert, Herr Schulz, Jason, Uwe Jensen, Paul Bokelmann, Joachim Frankenthaler, Alina und Rudi. Sie sind überall in der Stadt, auf St. Pauli, in der HafenCity, im Stadtpark, in Blankenese, Altona und Ottensen, in der Schanze, an den Landungsbrücken.

Fotos: Christoph Hilker, Manuela und Marcus Tanzen, Liam Tanzen

Zuerst nachgewiesen wurden sie 2010. Ein Dänemarkurlaub von Manuela und Marcus Tanzen war so, dass die Lektorin und der Architekt zu sammeln und zu basteln (Entschuldigung!) anfingen: Objekte vom Strand bekamen Köpfe und Körper. Einen Gesichtsausdruck und eine Haltung. Und Namen. Malte van Houten hieß einer der Ersten. Ihm folgten nach und nach, und schon wieder im häuslichen Atelier in Iserbrook, die vielen anderen. Neue Bewohner im Haus der Tanzens! Zumeist nicht verwandt, aber Hamburgerinnen und Hamburger.

Für HAMBURG DEINE FREAKHEADS bekamen sie Lebensläufe und begannen zu sprechen: „Wenn ihr mir jetzt auf den Parka kackt, werde ich echt sauer“, sagt Rudi, der Mod. Etwas später: „Die Neue Elbbrücke sieht aus wie in DNA-Strang?! Das fällt mir heute zum ersten Mal auf ...“ Rudi ist eben ein bisschen intellektuell. Was soll’s? Und was sagt Hildegard? Dies: „Ach, Rigobert, ist das schön! Wir beide zusammen! Und dann dieser dramatische Himmel!“ Beide sitzen beieinander auf den Steinstufen vor dem Jenischhaus, ihr Blick geht nach Süden über die Wiese und hinunter zur Elbe. Sie sitzen auf kalten Steinstufen: „Hoffentlich bekomme ich nicht wieder meine Blasenentzündung. Du weißt doch, wie empfindlich ich bin.“ ... „Rigobert? Wieso sagst du denn gar nichts ...?“ Rigobert hatte sich seinen Ruhestand etwas anders vorgestellt, ruhiger.

In HAMBURG DEINE FREAKHEADS sprechen sie erstmals, geben von ihren Lebensgeschichten preis und sind in Hamburg unterwegs. Die Fotografien stammen von Manuela und Marcus Tanzen und Christoph Hilker. HAMBURG DEINE FREAKHEADS ist das Hamburgbuch der anderen Art – alltäglich, persönlich, skurril, freakig – und so normal wie nur was! Hamburg mal anders als es sonst in den Büchern steht. Ziemlich nah dran am wirklichen Hamburg.

Seltsamerweise mussten erst Freakheads entstehen, um so ein Buch zu machen. Oder nicht seltsamerweise, genau sie brauchte es! Hier wird nicht die Stadt in Miniatur nachgebaut, die bleibt, wie sie ist und Ort der Handlung. Nachmodelliert werden ihre Bewohner. Angeblich Freakheads. Die bei genauerem Hinsehen gar nicht so freakig sind, sondern hölle normal. Einfach Hamburger. In klein. Jeder und jede kennt einen von ihnen. Wenn nicht zwei. Oder drei.

„Einfach mal anschauen. Einfach mal reinschauen in das Buch!“